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Aus Laibes Kräften

Die gemeinde Jachenau liegt im südlichsten Zipfel des Landkreises Bad Tölz-Wolfrathshausen. Sepp Orterer, gelernter Landwirt in der 18. Generation, macht sich auf zur Herstellung seines Jachenauer Bergkäses in der Hofkäserei.

 

Wie alt ist die Jachenau und Ihr Hof?
Die Jachenau ist im 12. Jahrhundert vom Kloster Benediktbeuern aus besiedelt worden und unser Hof ist genau 500 Jahre alt.

Wieviel Grund bewirtschaften Sie?
Wir haben da im Talbetrieb 25 Hektar Grünland, auf der Alm genauso viel Almfläche und Almweide und dann noch gut 100 Hektar Wald.

Die Jachenau ist bekannt für die abgelegene Lage im Wald mitten in den Wäldern.
Ja, wenn Ihr jetzt da runter schaut, dann seht Ihr den Reichtum der Jachenau. Das war immer schon das Holz. Die Jachenau hat gute 128 Quadratkilometer und von denen sind 100 Quadratkilometer Wald. Ich sag´ immer, die Jachenau, die liegt so schön zentral abseits. Daher war es notwendig, dass die Betriebe überlebensfähig waren. Die haben hier autark wirtschaften müssen. Nicht nur die Bauernfamilie für sich, sondern da waren ja auch die Gesinde mit angeschlossen, die Knechte und Mägde, die man gebraucht hat, um diese Betriebe aufrecht zu erhalten. Und deshalb war es auch dem Grundherrn, in unserem Fall dem Kloster Benediktbeuern, wichtig, diese Betriebe so stark zu halten, dass sie nicht abwandern. Denn für Feldfrüchte ist der Boden zu karg und das Klima zu rauh. In unserem Fall war immer schon das Holz unser wirtschaftliches Rückgrat. Es ist mit dem Floß sogar bis nach Wien und Budapest runter transportiert worden.

Käse_Feld

Was war als Kind das Schönste auf dem Hof?
Das Schönste ist als Bub natürlich immer Bulldogfahren! (Traktor fahren)

Sie haben den väterlichen Hof umstrukturiert. Warum?
Meins war immer schon die Veredelung. Ich habe mich zum Hofkäser ausbilden lassen und bei unserer Käserin Fischer Vevi habe ich sehr viel lernen dürfen.

Welchen und wieviel Käse produzieren Sie im Jahr?
Ich mache halbfesten Schnittkäse nach Tilsiter Art. Wir produzieren im Schnitt dreieinhalb Tonnen im Jahr.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, überhaupt Käse zu produzieren, obwohl es in Ihrer Heimat Jachenau keine Tradition in der Richtung gibt?
Das stimmt. Die Käseherstellung hat im Isarwinkel keine Tradition. Ein Freund von mir brachte mich drauf, dass Käse ein ideales kulinarisches Mitbringsel vom Urlaub für unsere Hausgäste sein könnte. Das wurde so beliebt, dass wir den Käse dann auch an die regionalen Käsefachgeschäfte lieferten.

käseplatte

Sie betreiben Landwirtschaft, haben Hausgäste und produzieren Käse. Wieviel Arbeit macht der Käse?
Durchschnittlich zwei Tage die Woche.

Wieviele Tiere gibt´s auf dem Hof?
Wir haben 40 weibliche Rinder. Die bekommen nur das, was auf dem Hof wächst.

Im Sommer sind die Jungtiere auf der Alm?
Ab Anfang Mai sind sie auf der Weide. Dann geht´s Ende Mai bis Anfang Oktober auf die Alm. Und bis zum ersten Schnee wieder auf die Heimweide. Sie haben ein sehr schönes Leben.

Ihre Alm ist die Staffelalm am Rabenkopf, wo Franz Marc schon Gast war und sich mit zwei Wandgemälden verewigt hat.
Das ist eine kleine Besonderheit bei unserer Alm. Anfang des 20. Jahrhunderts hat uns da Franz Marc besucht, der uns zwei Wandmotive hinterlassen hat.

Was kriegen die Gäste, die auf die Staffelalm wandern?
Hofeigene Produkte. Käse, Speck und das Brot, das unsere Sennerinnen selbst backen.

Gehört die Staffelalm schon lange zum Hof und wie weit ist sie von hier entfernt?
Eigentlich ist Alm und Talbetrieb immer eine Einheit. Nicht nur bei uns so, sondern generell im Isarwinkel und in der Jachenau. Es sind zwei bis drei Sunden Fußmarsch von hier, je nach Kondition.

Warum leben Sie gerne in der Jachenau?
Das Besondere ist die Lage. Wir haben eine sehr exponierte Lage, hoch über dem Jachental und hier auf dem Hof das Privileg, immer schön über die Jachener schauen zu dürfen.

Orterer und Tochter

Geschrieben von bayern.by Blog

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