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Goldfinger

Sebastian von Zülow wuchs in Bodenmais auf. Handwerkskunst und Brauchtum spielten in seiner Familie eine wichtige Rolle. Sein Vater ist der „Herrgottschnitzer“ im Ort.

 

 

Herr von Zülow, Sie haben bestimmt viel gemalt als Kind?
Ja, Zeichnen und Malen mochte ich schon immer.

War Kirchenmaler Ihr Traumberuf?
Anfangs nicht. Doch durch die Praktika als Kirchenmaler während der Schulzeit fand ich immer mehr Gefallen daran und entschloss mich, diesen Beruf zu ergreifen. Im Laufe der Jahre wurde es dann mein Traumberuf.

Wie wurden Sie Kirchenmaler?
Ich habe in Regensburg meine drei Lehrjahre absolviert. Die Gesellenprüfung war in Augsburg und nach meinen Gesellenjahren entschloss ich mich, die Meisterprüfung in München zu machen.

Jedes Handwerk hat seine speziellen Werkzeuge. Welches sind Ihre wichtigsten?
Die Pinsel zum Malen. Zum Vergolden brauche ich noch das Vergolderwerkzeug, das sind Gravierhaken, Schleifpapier, Vergolderkissen und Vergoldermesser.

Bei Kirchenmaler denkt man an gefährlich hohe Gerüste und einen sehr stillen Arbeitsplatz. Ist die Arbeit des Kirchenmalers gefährlich und still?
(Lacht) Ja! Aber nicht nur. Manchmal ist es auch eine sehr dreckige Arbeit, zum Beispiel, wenn man Mörtel anmacht. Dann kann es sogar richtig laut in der Kirche werden.

Welche Arbeiten macht ein Kirchenmaler außerhalb der Kirche?
Wir restaurieren manche Figuren in unserer Werkstätte, denn das wäre in der Kirche selbst nicht möglich. Es gibt ja Gottesdienste und außerdem könnten wir nicht alle notwendigen Werkzeuge mitbringen und die Kirche in ein Atelier verwandeln. Ich arbeite auch als Lüftlmaler. Diese Außenwandbemalungen gibt es nicht nur an Kirchen, sondern auch an profanen Gebäuden. Außerdem saniere ich historische Gebäude durch Verputzen, Stuckarbeiten oder das Festigen der bestehenden Substanz. Ich habe auch außerhalb von Kirchenmauern immer gut zu tun!

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Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten?
Das Vergolden und das Restaurieren. Denn das sind immer wieder auf‘s Neue Herausforderungen.

Eine Lehre als Kirchenmaler setzt eine Beschäftigung mit klassischer Malerei voraus. Welche Künstler haben Sie als Vorbild?
Max Dörner, Albrecht Dürer und Veit Stoß.

Kirchenmaler sind für die Illusionsmalerei berühmt, nicht wahr?
Ja, darin haben wir im Laufe der Jahrhunderte eine wahre Meisterschaft entwickelt. Marmorieren, Maserieren und Vergoldungen sind Techniken, die man früher angewandt hat, um teure Materialien vorzutäuschen. Jetzt genießen diese Fertigkeiten wieder hohes Ansehen. Denn so eine marmorierte Wand oder Säule kann auch im Hotel großartig aussehen, zum Beispiel im Wellnessbereich.

Bei Ihnen arbeitet die ganze Familie Hand in Hand. Bitte erzählen Sie, wer was macht.
Mein Vater schnitzt, von ihm sind seinerzeit viele Ideen umgesetzt worden, die immer noch das Grundgerüst unseres Geschäfts bilden. Mein Onkel ist akademischer Bildhauer, der macht Restaurierungen, aber auch moderne Sachen, nicht nur aus Holz, auch in Stein, Beton oder Bronze. Meine Frau hilft mir beim Bemalen und ist im Verkauf tätig. Meine Brüder sind auch Holzbildhauer, die sowohl selbstständig sind als auch hier mitarbeiten.

Sie haben eine bedeutende Kunstausstellung mitten im Laden. Was sind das für Werke?
Viele religiöse Sachen, wie sie in unserer Gegend Tradition haben. Kruzifixe, Krippen, Engel und Heiligenfiguren. Es ist bayerisch-böhmische Volkskunst aus dem niederbayerischen Raum. Wir haben aber auch viele profane Sachen, Laternen, Tiere, wie geschnitzte Vögel, Obst- und Gemüsemasken für die modernere Wohnungseinrichtung. Unsere Ausstellung ist sehr vielschichtig und spricht alle möglichen Menschen und Geschmäcker an.

Das sind aber keine historischen Werke, auch wenn sie so aussehen, sondern sie wurden alle hier im Haus geschnitzt und bemalt?
Ja, das meiste dieser Holzschnitzereien wurde im Laufe der Jahrzehnte von unserer Familie und von den Mitarbeitern geschnitzt und bemalt.

Ihre Spezialität, sogar als ganze Familie, ist es, exakt nach Kundenwünschen zu fertigen. Bitte erzählen Sie uns davon.
Der Kunde kann zu uns mit einem Bild oder auch nur einem Wunsch kommen oder uns diesen mailen. Ob er sich ein Porträt von seiner Frau wünscht oder Krippenfiguren, die wie seine Enkel aussehen. Wie groß sie werden, welche Farbe sie haben, ob als Reliefbild zum Hängen oder als ganze Figur: der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wir haben schon alle möglichen Tiere gefertigt, vom Floh bis zum Elefanten in den verschiedensten Größen.

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Sie haben Bienen, Tauben und einen Fischteich am Ortsrand von Bodenmais. Sind die Tiere in der Natur der Ausgleich zum Arbeiten in der Werkstatt drinnen?
Auf alle Fälle. Es ist wunderbar, wenn ich mit der Familie die Zeit draußen verbringe und mich um meine Tiere kümmere. Meine Tochter spielt dann mit ihren Cousins und wir essen mit der Familie und Freunden unter freiem Himmel. Erholsamer kann ein Sonntag nicht sein.

Sie sind in Bodenmais auch beim traditionellen Wolfauslassen jedes Jahr dabei. Bitte erzählen Sie uns von diesem regionalen Brauch.
Das Wolfauslassen kommt aus der Zeit, als Hirten das Vieh auf den Bergweiden vor Bären und Wölfen schützen mussten. Dazu hängte man den Kühen Glocken um den Hals. Deren Geläut vertrieb die Raubtiere und man konnte verlorene Tiere besser wiederfinden. Anfang November trieben die Hirten das Vieh dann in die heimischen Ställe zurück und forderten von den Bauern ihren Lohn. Sie schnallten sich dabei selbst die Glocken um. Auch heute treffen sich Jahr für Jahr am 10. November bei Anbruch der Dunkelheit vier Gruppen in Bodenmais, um diesen Brauch zu pflegen. Wir schnallen uns die Glocken um und ziehen von Haus zu Haus. Der Anführer ist der „Hirta“, die gesamte Gruppe heißt „Wolf“. Der Wolf marschiert hinter seinem Hirten von Haus zu Haus. Vor jeder Haustür wird so lange geläutet, bis der Hausherr die Tür öffnet. Dann hebt der Hirte seinen Stock und wir sind mucksmäuschenstill. Unser Hirte sagt den Hirtenspruch auf. Danach läuten wir wieder, und der Hausherr gibt dem Hirten das „Hirtengeld“. Sind alle Häuser abgegangen, treffen sich am zweiten Tag, dem 11. November alle Gruppen zum „Zamläuten“ auf der Kuhbrücke. Das ist für Einheimische und Gäste dann ein besonderes Erlebnis zum Abschluss.

Warum leben Sie gerne in Bodenmais?
Weil ich die Natur mag und gerne draußen bin. Wir haben so viele Naturdenkmäler hier: Wasserfälle, den Berg Arber und den Nationalpark Bayrischer Wald. Das Paradies liegt vor unserer Haustür.

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Geschrieben von bayern.by Blog

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