Der Mensch ist nur ein Zuschauer

Ranger wie Günter Sellmayer lassen dem Wald seine Geheimnisse und öffnen ihn gleichzeitig wie ein lebendiges Biologiebuch für große und kleine Besucher.

 

Herr Sellmayer, wie lange sind Sie schon Ranger im Nationalpark?
20 Jahre.

Wie sind Sie dazu gekommen?
Ich hab meine Berufung gefunden. Ich habe mich auf eine Anzeige beworben. Man suchte nach Rangern und ich war bereits Waldführer hier.

Was muss man mitbringen wenn man sich als Ranger bewirbt?
Man muss Einheimischer und überzeugt vom Nationalpark sein. Außerdem eine abgeschlossene Berufsausbildung und volle körperliche Belastbarkeit nachweisen.

Wie viele Ranger sind Sie insgesamt?
24, davon vier Frauen.

Und was gefällt Ihnen in der Arbeit beim Nationalpark?
Fast alles. Besonders, den Aha-Effekt zu erleben. Mir gefällt es, wenn ich die Begeisterung für das Nationalpark-Gefühl streuen kann und das Gesäte aufgeht. Wenn man Leute am Ende wieder trifft und sie sagen: Jo, des war schee.

Günter Wasser

Sie sagen, Ihre Arbeit sei „Berufsratscher“ und „wandelnde Litfaßsäule“
Ja, denn unsere Hauptaufgabe ist es, die Besucher zu informieren. Wenn sie sich Blasen gelaufen haben, haben wir auch einen Erste Hilfe Kasten dabei. Wenn sie nicht mehr wissen, wo es zurückgeht, helfen wir mit unserer Ortskenntnis. Meist erklären wir aber die Besonderheiten des Nationalparks. Dass es hier anders ist als im Wirtschaftswald. Hier gibt es die natürliche Dynamik, wo der Mensch nur zuschaut. Der Pessimist sagt, wir haben den größten Baumfriedhof Europas, der Optimist sagt, wir haben den größten Baumkindergarten Europas.

Bitte erklären Sie uns das!
Die Natur kann ihren Prozess ausleben. Mit einer Kraft und einer Power, die uns machtlos daneben stehen lässt. Unser Wald ist zwischen Atlantik und Ural einzigartig. Das Alte ist nicht mehr herholbar und das Neue ist für Jeden sichtbar.

Was bieten Sie Ihren Gästen in diesem einzigartigen Wald?
Wir bieten von Spielen im Wald bis Hirschbrunft-Führungen alles, was den Wald erlebbar macht. Was wir auf die Beine stellen und präsentieren können, das hängt von der Forschung ab. Forschung ist ein ganz starkes Pferd bei uns hat schon sehr viele Sensationen zu Tage gebracht und genau diese Sensationen versuchen wir den Leuten näher zu bringen.

Kinder_Wasser

Welche Sensationen gibt es denn?
Einen Pilz haben wir, den gibt es weltweit nur hier, der hat nicht mal einen Namen. Dann haben wir die zitronengelbe Tramete, einen Schwamm, der pro Hektar 140 Kubikmeter totes Fichtenholz braucht um überhaupt existieren zu können. Bei uns im Nationalpark ist er häufig, weltweit kommt er nur 15 mal vor. Noch seltenerer ist der Duftende Feuerschwamm, der unglaublich nach Rosen duftet. Das sind für mich Sensationen.

Welche Themen bei den Führungen gibt es?
Meine Lieblingsführung heißt „Chaos und Verhau“. Da geht es um einen neu entstehenden Wald. Normal kommt man da nie durch. Da kommst du 10 Meter und dann ist deine Kleidung zerrissen und du wünschst dir einen Hubschrauber, der dich abholt. Wir haben es vorbereitet, dass man da durchkommt. Eine andere Führung ist „Leben im Grenzbereich“ oder eine „Vogelstimmen-“ oder „Schneeschuh-Wanderung“ oder ganz meditativ mit dem örtlichen Pfarrer. Jede Jahreszeit bietet andere Möglichkeiten.

Welche pädagogischen Werte vermitteln Sie den Familien und den Kindern?
Wir leben in der Natur und wir leben von der Natur und sind abhängig von der Natur und wenn wir die nicht schützen, dann vernichten wir unseren eigenen Lebensraum.

Was gefällt den Kindern am besten?
Da gibt es so viel! Das Tier-Freigelände ist sehr beliebt. Dort kann man 45 einheimische Tiere in lebensnahen Räumen erleben. Luchs, Bär, Elch, Wildkatzen, Otter, Uhu und noch vierzig weitere. Wenn sich die Tiere blicken lassen, denn sie haben dort sehr viel Platz und Rückzugsmöglichkeiten. Auch der Baumwipfelpfad kommt gut bei Groß und Klein an. Wo kann man sonst schon bei einem Nest von oben hineinschauen? Wer zu uns kommt, kann sich im Besucherzentrum Hans-Eisenmann-Haus und im Nationalparkzentrum Lusen informieren.

Wann ist die Hauptsaison?
Die fängt im August an und endet am letzten Oktobertag.

Dokumentieren Sie die Natur?
Selbstverständlich. Seltene Pflanzen oder außergewöhnliche Tiere. Wenn ich eine Kreuzotter sehe, dann schreibe ich es auf eine Meldekarte.

Was lieben Sie an Ihrer Heimat?
Ich habe meine Wurzeln hier. Im Bayrischen Wald ist die Welt noch in Ordnung. Ich glaub, hier denken wir noch mehr mit dem Herzen als mit dem Kopf. Und das macht es aus.

Baumei

Geschrieben von bayern.by Blog

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