Das allerbeste Wochenende aller Zeiten… (a.k.a. Foodcamp Franken)

Gottesgab, fürwahr.

Man muss sich Franken als ein gesegnetes Land vorstellen. Gut, da ist dieser seltsam verwaschene Dialekt. Und außerhalb der Metropolen wird es recht schnell fast archetypisch ländlich. Und über Fußball brauchen wir erst gar nicht zu reden. Selbst die Akzeptanz seitens der anderen Stämme des Bundeslandes birgt noch einiges an Potential nach oben. Andererseits: Bier. Wein. Wurst. Kraut. Karpfen. Brot. Das alles in für den Rest der Republik unfassbar guter Qualität. Und dazu diese wunderschöne Landschaft. Doch, man muss sich Franken als ein gesegnetes Land vorstellen…

Es ist Freitag Abend, ich stehe in der ersten Etage der Mobilen Kochkunst – einer Kochschule in Nürnberg, deren phänomenale Ausstattung nur noch von ihrer brillanten Lage übertroffen wird. Um mich herum wuselt, scheppert, klappert es, es wabern die Aromen von ersten im Werden begriffener Speisen durch den Raum. Jetzt, etwas mehr als 24 Stunden nach seinem Beginn, ist das Foodcamp Frankenschließlich ganz bei sich selbst. Knapp 25 “Foodies” aus allen Teilen Deutschlands – nur eben nicht aus: Franken – sind jetzt das Camp, haben die Küche der Mobilen Kochkunst nicht nur vollständig vereinnahmt, sondern verschmelzen mit ihr zu einem großen Ganzen. In diesem Moment könnte ich nicht glücklicher sein.

Oder erleichterter. Auch dieses Camp entfaltet diesen ganz speziellen Zauber– genau, wie die Camps vor ihm. Nicht, dass die Stationen zuvor belanglos oder langweilig gewesen wären. Im Gegenteil: das Treffen aller gestern im Brauwurst-Häusle zum formidablen Wurst-WarmUp, die Session bei Ausnahmebrauer Andreas Gänstaller und das abendliche Highlight Essigbrätlein haben genauso zielsicher und folgerichtig zu diesem Magic Moment geführt, wie der gemeinsame Einkauf auf dem Markt und der anschließende Wurst-Workshop bei Spitzen-Bio-Metzger Martin Seefried heute.

Aber das Camp, das sind wir alle erst in dem Moment geworden, in dem wir selbst in der Küche standen. Denn besser, intensiver und verstehender kann man sich einer Region kulinarisch nicht nähern als eben: selbst Hand anzulegen und die Region im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen. Die dazu perfekte Ergänzung: Während wir putzen, schneiden, kochen, präsentieren die Winzer Christian Stahl und Christian Ehrlich ihre Weine. Das zuvor abstrakte Franken wird ganz plötzlich ganz konkret. Zu einen Geschmack. Zu einem Aroma. Zu einer ganz besonderen Qualität.

Am nächsten Tag werden wir früh aufbrechen, um die wohl beeindruckendste aller Erfahrungen unseres Camps zu machen: den Besuch in der Backstube von Freibäcker Arnd Erbel. Ich ganz persönlich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es jemanden in Deutschland gibt, der auf charismatischere Art und Weise Mehl in Teig und diesen in Brot verwandelt. Die nächsten Stationen: fränkische Weinberge bei Bickel-Stumpf und eine kurze Stipvisite beim Nürnberger Foodtruck RoundUp. Am Abend dann der grandiose Camp-Höhepunkt. Wir, das Camp, kochen – und laden dazu alle, die wir bisher besucht haben ein. Und (fast) alle kommen. Ein große fränkische Gala. Viele Teller. Viele Menschen. Viele Gespräche. Wieder gibt es Wein zu probieren. Von Bickel-Stumpf und vom jungen Naturwein-Projekt 2Naturkinder. Ein großes Fest unter Gleichgesinnten, ach was, unter Freunden. Für die Hartgesottenen zum Schluss: Cocktails in der Bar. Die Aischgründer Karpfen am Sonntag Mittag werden so für Einige eher zur Herausforderung. Der sich nichtsdestotrotz aber bis auf zwei Schnitzelflüchtlinge alle stellen.

Am Abend dann, nachdem fast alle sonst schon abgereist sind, sitze ich bei Schäufele und Rotbier im Schanzenbräu. Wehmut, dass es jetzt schon vorbei ist, mischt sich mit Erschöpfung. Erst in diesem Moment der Ruhe merkt man, wie intensiv und damit eben auch wie anstrengend die rund 3 1/2 Tage zuvor waren. Aber das Gefühl, das alles überwiegt, ist Dankbarkeit. Gegenüber den anderen Teilnehmern dafür, dass sie alle und jeder auf seine ganz persönliche Art und Weise dieses Camp zu dem gemacht haben, was es war. Gegenüber den Besuchten für die Gastfreundschaft und die Großzügigkeit, mit denen sie uns an ihren Wissen haben teilhaben lassen und – last not least – gegenüber der Bayern Touristik dafür, das alles überhaupt möglich gemacht zu haben.

Zu guter Letzt: Auch 2015 wird es ein Camp geben, das Foodcamp Allgäu. Und falls nicht etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommen sollte, werde ich auch ein Teil dieses Camps sein dürfen. Diverse dicke Bücher stapeln sich jetzt schon zur Vorbereitung auf meinen Schreibtisch. Über das zu kulinarischen Erbe der Alplen, zum Beispiel. Aber völlig egal, was wir bis dahin en detail machen werden, eines ist jetzt schon klar:

Es wird das allerbeste Wochenende aller Zeiten!

Geschrieben von bayern.by Blog

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